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Samstag, 14. Mai 2011

„Rewind“ - A cantata for voice tape and testimony

(la) Als Südafrikaner vor der Truth and Reconciliation Commission (TRC) 1996 ihren Apartheid-Alltag schilderten und diese Anhörungen im Radio übertragen wurden, steuerte der Komponist Philipp Miller seinen Wagen oft an den Straßenrand und hörte zu. 2006, zehn Jahre später, komponierte er „Rewind - A cantata for voice tape and testimony“, die einige Aussagen vor der TRC in eine musikalische Form goss, und im Baxter-Theater von Kapstadt wurde diese Kantate in dieser Woche vor ausverkauftem Haus wieder aufgeführt. Ein eindrückliches Erlebnis!
Auf der Bühne saßen acht Musiker (Geige, Cello) in der zweiten Reihe, vier Sänger (Sopran, Mezzosopran, Bariton, Tenor) bildeten mit dem Dirigenten die erste - und hinter dem Gaze-Vorhang, auf den verschiedene Fotos und Videos projiziert wurden, war der ungefähr 80 Mann (und Frau) starke Chor platziert.
In 17 Szenen wurden einzelne Aussagen vor der TRC musikalisch interpretiert, auf den Vorhang projiziert und im Originalton eingespielt - eine Collage, die die Geschichten der Apartheid-Opfer auf eine sehr eigene Art in eine neue Dimension transponierte. Sibongile Khumalo, eine der bekanntesten (und vielseitigsten) Sängerinnen Südafrikas, war eine der vier tragenden Stimmen der Aufführung - aber auch die anderen (Nozuko Teto, Otto Maidi und Stefan Louw) überzeugten. Noch nie haben wir am Ende einer Vorstellung, nach 75 Minuten, in Kapstadt einen so lang anhaltenden Beifall gehört. Normalerweise klatschen die Theaterbesucher 30 Sekunden und gehen dann nach Hause; hier gab es mehrere Minuten standing ovations. „’Rewind’ ist soviel mehr als eine Oper“, hat Bischof Tutu, damals Leiter der TRC, gesagt. „Es ist ein wundervolles Mittel, unsere Geschichte zu erzählen und zum nation building beizutragen.“
In New York (2007) und London (2010) war „Rewind“ schon zu hören. Wann kommt es nach Berlin?

Donnerstag, 10. März 2011

"Mummenschanz" im Baxter's

„Mummenschanz“ in Kapstadt: Auf Plakaten und in Anzeigen sieht man dieses deutsche Wort jeden Tag. Im Baxter-Theater ist zur Zeit „Mummenschanz“ - dort gastiert die schweizer Theatergruppe, die seit nunmehr 40 Jahren eine ganz eigene Theatersprache entwickelt und dem Wort „Pantomime“ eine neue Bedeutung gegeben hat. Fast zwei Stunden ohne Sprache, ohne Musik - kurze Szenen in immer wieder neuen, phantasievollen Kostümen, die sehr oft zum Lachen reizen.
Im Saal heute abend sitzt ein sehr junges, bunt gemischtes Publikum und verfolgt die kurzen Szenen mit Begeisterung; viele freuen sich an den überlebensgroßen Gebilden, oft gibt es Szenenapplaus, und als der riesengroße rote Klumpen, der mal ein Herz, mal ein Gesicht darstellen kann, auf die Rampe zurollt, quietscht die ganze erste Reihe und hebt abwehrend die Hände. Nützt ihnen aber gar nichts! Die vier Schweizer füllen zwei ganze Wochen das große Haus im Baxter - aber schließlich haben sie ja auch drei Jahre am Broadway gespielt…