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Samstag, 9. Oktober 2010

The Local Grill, Jo'burg

Ein Braai – die Ameri-kaner reden da von Barbecue, wir vom Grillen – ist für den Südafri-kaner ein weit verbreitetes Wochenendvergnügen, aber offenbar besteht dort noch Schulungsbedarf: Gerade haben wir ein Restaurant entdeckt, dass nicht nur (vorzügliches) Essen, sondern u.a. auch „Grilling Courses“ anbietet. „The Local Grill“ in Johannesburg trägt schon in seinem Namen das, was er vor allem anbietet: viele Sorten gegrillte Steaks. Und ob „Sirloin“, „Rump“ oder „Fillet“ – jedes Steak ist in zwei Varianten zu haben: von Tieren, die nur mit Gras gefüttert wurden, oder von denen, die mit 'normaler' Kost groß geworden sind.
Wer zum ersten Mal das Restaurant besucht, darf sogar hinter die Kulissen schauen: Er wird in die Küche zu den Grillrosten geführt und schaut in den Kühlraum, in dem die verschiedenen Fleischstücke lagern – ein beeindruckender Vorrat. Und im Restaurant hängt eine Liste, auf der genau verzeichnet ist, wie viele Tage die verschiedenen Steaks jetzt schon abgehangen sind.
Als wir bestellt haben, gibt es noch eine Überraschung. Restaurant-Chef Llewy Mateza kommt mit einem sonoren „Guten Abend“ an unseren Tisch. Er hat gehört, dass wir aus Deutschland kommen – Llewy ist in Villingen-Schwenningen im Schwarzwald ein Jahr lang zur Schule gegangen und hat dort das deutsche Abitur gemacht. Obwohl das schon etwas her ist, spricht er immer noch ziemlich gut Deutsch und erzählt, dass er mit seinem Restaurant in Parktown Erfolg hat.
Als unser Essen kommt, verstehen wir, warum: Die Boerewors ist hervorragend gewürzt, die Steaks sind zart und zergehen auf der Zunge – so gut haben wir in Südafrika nur selten gegessen (und das will etwas heißen!!). Wir verkneifen uns, zum Abschied die Schirmmütze und das T-Shirt mit „Local Grill“-Aufdruck zu kaufen – die Gewürzmischung, mit der die Steaks eingerieben werden, die nehmen wir aber sehr gern mit.

Constitutional Hill, Johannesburg

Wer den Film „Drum“ gesehen hat, wird sich an die Geschichte erinnern: Henry Khumalo, Starreporter des Magazins für Schwarze, lässt sich 1954 verhaften, um über die Situation in den Gefängnissen berichten zu können – und der Fotograf Bob Gusani macht Fotos von der entwürdigenden Untersuchung, die jeder Gefangene auf dem Hof des Gefängnisses nackt über sich ergehen lassen muss: Gusani konnte von einer Wohnung neben dem Gefängnis den Hof einsehen. „Mr. Drum goes to jail“ – die Reportage sorgte damals für großes Aufsehen.
Heute kann man das Gefängnis besichtigen, und das Fenster, von dem aus Gusani seine berühmten Fotos aufgenommen hat, sieht man auch.
Wer das Gefängnis sucht, muss in Johannesburg den Wegweisern „Constitutional Hill“ folgen: Nicht nur die Überreste des Gefängnisses sind hier ein Museum - heute hat hier das oberste Gericht Südafrikas seinen Sitz, und der Saal, in dem die höchsten Richter ihre Urteile verkünden, wurde mit Steinen des alten Gefängnisses erbaut.
Auch im Eingangsbereich des Gerichts erinnert eine Zellentür an die Geschichte Südafrikas. Für viele der Museumsbesucher – Schulkinder - ist Apartheid aber wirklich eine fremde Geschichte: Sie kennen die Apartheid, wenn überhaupt, nur aus Erzählungen ihrer Eltern; vielen bedeutet das Wort – so sagt die junge Frau an der Kasse auf eine entsprechende Frage – heute gar nichts mehr.
Dabei lernt man im Museum ziemlich konkret, wie durchorganisiert das Gefängnis war – von den drei Essenstöpfen (einer mit Fleisch für die weißen Gefangenen, einer ohne für die Schwarzen und eine Mischung für die Coloureds) über die Hackordnung in den großen Massenzellen, in denen die Gangs eine ausgefeilte Hierarchie durchsetzten, bis hin zu den Einzelzellen, in denen der Wille widerspenstiger Häftlinge gebrochen werden sollte. In Workshops haben viele ehemalige Häftlinge von „Number Four“, wie das Gefängnis hieß, ihre Erfahrungen aufgearbeitet und dokumentiert.
Die Führung endet im Obersten Gericht. Ein beeindruckender Ortstermin!