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Sonntag, 8. Mai 2011

Lion's Head

(la) Für Kapstädter ist es offenbar ein Sonntagsvergnügen: der Fußmarsch rauf auf den Lions Head. Als wir kurz vor 9 Uhr morgens an der Straße auf dem Weg zum Signal Hill parken wollen, stehen dort schon mindestens 40 Autos - Wanderer sind Frühaufsteher. „Mittags kann es da oben verdammt heiß werden“, erklärt Bill. „Habt Ihr genug Wasser mit?“ Eva und Bill werden uns heute zum Gipfel führen.

Die ersten Kletterer kommen den Weg schon wieder herunter, als wir uns aufmachen. Es geht gemächlich nach oben, und zunächst ist der Weg relativ breit. Vom Start weg hat man einen guten Blick über die Innenstadt von Kapstadt, und bald haben wir die andere Seite des Lions Head erreicht und blicken auf Camps Bay und den Atlantik. Der Ausblick verführt zu vielen Pausen; später sind sie mehr der Kondition geschuldet.

Es ist ein reges Kommen und Gehen, aber als wir uns auf dem Weg nach oben einmal um den Lions Head herumgeschraubt haben, wird der Weg eng, und das Klettern beginnt. Eine Stunde sind wir unterwegs, als wir an einer kleinen Weggabelung ankommen - rechts über uns arbeiten sich Jugendliche mithilfe von Ketten an einer abenteuerlichen Wand hoch. „Nein, wir wollen sie nicht gleich beim ersten Mal umbringen“, sagt Eva und entscheidet sich gegen die Abkürzung.

Manche Baumwurzeln auf dem Weg sind von den vielen Füßen, die über sie geklettert sind, höchst rutschig; man muss aufpassen. Auch der Wind bläst manchmal ziemlich kräftig. „Alles okay?“, fragt Bill - aber wir wollen natürlich nach oben: Weiter! Als wir die Leitern erreichen, die das Erklimmen einiger Felsen erleichtern, ahnen wir, dass der Gipfel nicht mehr weit ist. Noch einige Meter, dann ist es geschafft: Der Lions Head (669 Meter hoch) ist bestiegen. Kekse und Käse werden ausgepackt, eine Flasche Sekt wird entkorkt: Gipfelfrühstück!

Der Abstieg erfordert noch einmal die volle Konzentration - und nach drei Stunden sind wir wieder am Parkplatz angelangt. Ein toller Ausflug, meint Renate: „So etwas könnten wir eigentlich jede Woche machen.“

Donnerstag, 9. September 2010

Hemingway

Einmal Afrika ganz nah spüren, ein Safari-Feeling, mitten im Busch, unter dem Sternenzelt? Wie Hemingway mit einem doppelten Whiskey vor dem Zelt den Sonnenuntergang beobachten? Manche Unternehmer leben ganz gut davon, Urlaubern dieses Gefühl vorzuspiegeln - und wir bekamen jetzt einen kleinen Vorgeschmack darauf. Bei dem Versuch, ein Quartier auf dem Weg nach Norden zu ergattern, waren viele Mitbewerber (und mutmaßliche Blumenfreunde) schneller als wir – viele B&Bs waren bereits ausgebucht, und wir erhielten nur lauter Absagen.
Und plötzlich hatten wir Glück: KaruKareb hatte Platz – und wir landeten mitten in den Zederbergen und mitten im Busch.
Auf dem Gelände einer alten abgelegenen, ziemlich großen Farm stehen heute versteckt an einem Fluss fünf Zelte, die einem das alte Afrika-Gefühl vermitteln. Zwei Stühle auf dem Vordeck, man blickt auf die Wildnis, zehn Meter entfernt rauscht ein kleines Flüsschen, das Nachbarzelt ist kaum zu entdecken.
Im Zelt stehen zwei Betten mit vertrauenerweckend dicken Decken, ein kleiner Tisch mit einer Gästemappe und hilfreichen Tipps (Nicht die Taschenlampe vergessen, wenn man sich auf den Fußweg ins zwei Kilometer entfernte Haupthaus zum Dinner aufmacht!), und wer im gemauerten Bad die Badewanne(!) nutzen will, darf auch einen Blick in die Wildnis riskieren. Warmes Wasser liefert die Gastherme, und Licht gibt es auch: Drei kleine Glühbirnen werden durch Solarzellen gespeist. Der kleine Wasserkocher braucht – Solarstrom! – allerdings ungefähr 20 Minuten, bis das Wasser kocht. Und das Handy kann man vergessen: kein Empfang.
Um sieben Uhr abends wird es dunkel. Stockdunkel. Der Bach rauscht weiter, und das eine oder andere Tier macht auch ein Geräusch. Hoffentlich haben die Urlauber vor uns den Ratschlag im Gästebuch gelesen und befolgt und die Paviane, die es hier gibt, nicht gefüttert…
Und wenn die Sonne weg ist, wird es schnell ziemlich kalt. Man vertraut sich daher sehr früh den dicken Bettdecken an und horcht auf die Natur. Paviane haben wir nicht gehört (jedenfalls nicht wissentlich), und ins Zelt haben es nur einige kleine Fliegen geschafft. Und die gab’s ganz sicher auch schon bei Hemingway.