Mittwoch, 27. Januar 2016

Erziehung - eine "nationale Katastrophe"


Jede Schule erwartet die Matric-Resultate mit Spannung
Nur eine Provinz konnte sich verbessern: Western Cape

„Noch nie habe ich einen ANC-Minister so offen reden hören“, zitierte die Sonntagszeitung „City Press“ einen erfahrenen Mitarbeiter des Bildungsministeriums von KwaZulu-Natal. Auf einer internen Konferenz hatte Erziehungsministerin Motshekga Klartext gesprochen: Dass so viele Schüler durch die landesweiten Prüfungen fielen, sei eine „nationale Katastrophe“; von dem Versprechen, jedem Kind in Südafrika eine solide Schulbildung zu garantieren, sei wenig übrig geblieben, Mittelmäßigkeit breite sich aus wie Krebs und bedrohe die Grundlagen des Bildungssystems.
Dabei gibt Südafrika mit 20 Prozent seines Budgets so viel für das Bildungswesen aus wie kaum ein anderes Land. Und dennoch fallen 40 Prozent eines Schülerjahrgangs noch vor dem letzten Schuljahr aus, nur jedes dritte Kind schafft es bis zum Ende der 12. (Abschluß-)Klasse. „Wenn ein Kind durchfällt, ist das eine Herausforderung,“ sagte Ministerin Motshekga, „wenn es zwei sind, ein Problem. Wenn aber 25 % eines Jahrgangs durchfallen, sollten wir schlaflose Nächte haben, denn das ist eine nationale Krise.“
Motshekga berief sich auf Studien, nach denen jeder fünfte Lehrer montags und freitags nicht zur Schule kommt und viele nicht 6,5 Stunden, sondern nur 3,5 Stunden am Tag unterrichten. Schulleiter und Behördenchefs, die das zuließen, sollten mit sofortiger Wirkung ihr Amt verlieren. Zum dritten Mal in Folge ist die pass rate - der Prozentsatz der Schüler, die die Abschlußprüfung bestanden haben -, gefallen auf jetzt 70,7 %. Es gibt in Südafrika einzelne Schulen, an denen kein einziger Schüler die Abschlussprüfung geschafft hat - pass rate: 0 %. „Dann muss etwas geschehen“, meint die Ministerin. „In unserem System aber könnten die Verantwortlichen sogar noch befördert werden.“
„Brutal ehrlich“ sei die Ministerin gewesen, sagte ein Gewerkschafter. Die Dinge könnten wirklich nicht so bleiben, wie sie sind. Die Lehrergewerkschaft trägt allerdings eine gewichtige Mitschuld an der Misere: „Eine Mafia“, meint Kolumnist Saunderson-Meyer vom „Weekend Argus“, die bislang jede Aufsicht und Kontrolle verhindert habe. In der Tat liest man immer wieder haarsträubende Geschichten, in denen Schulleiterposten gegen Geld verschachert und unliebsame Kandidaten weggemobbt oder einfach umgebracht werden. Ein Untersuchungsbericht des Ministeriums kam jetzt zu dem Schluss, dass die Gewerkschaft in sechs von neun Provinzen de facto die Kontrolle über das Bildungswesen ausübe. Auch dagegen will Motshekga angehen.
„Fighting talk“ von der Ministerin, meint Saunderson-Meyer. Ob sie wirklich kämpfen und vor allem siegen wird, wisse man nicht – aber dass die schlechten Zahlen veröffentlicht und nicht beschönigt wurden, sei wenigstens ein Hoffnungszeichen.

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