Montag, 30. August 2010

Die Goema-Symphonie von Mac McKenzie

Mac McKenzie und Renate haben geheiratet - so hatte uns Regina geschrieben und gebeten, mit Wein, Buch und Glückwunschkarte in Bridgetown vorbeizufahren. Bridgetown ist Teil von Kapstadt, ein Wohngebiet für Coloureds der unteren Mittelklasse. In dem kleinen Haus des südafrikanisch-schweizerischen Ehepaares herrscht gute Stimmung, es wird gekocht und musiziert, und alle paar Minuten kommt jemand vorbei oder meldet sich per Handy für weitere Absprachen. Mac ist Musiker - ein gefragter Mann, arbeitet gleichzeitig an mehreren Projekten und war auch schon auf Deutschland-Tournee. Als wir in der kleinen Ein-Raum-Wohnung vorbeischauen, probt Mac gerade mit Godfrey, dem musikalischen Leiter des Fugard-Theaters, und mit Pieter-Dirk Uys soll auch eine neue Show einstudiert werden.
An einer Weltpremiere nehmen wir zehn Tage später teil: das Cape Town Goema Orchester mit 27 Mitwirkenden führt Macs erste Goema-Symphonie auf. Goema, so wird die Kapstädter Karneval-Musik genannt, aber sie ist noch mehr, sagt Mac: „Das ist die Musik von Kapstadt, nicht nur zum Karneval. Der Rhythmus geht in jedes Herz und jede Seele – Goema ist die Art, wie wir gehen und tanzen, wie wir reden, wiie wir miteinander umgehen. Goema ist ganz einfach eine Sprache.“
Mac hat mit diesen Elementen eine richtige Symphonie komponiert – für die klassischen Geiger, Cellisten und Flötistinnen eine echte Herausforderung, wie uns Renate in der Pause erzählt. Mit Gitarre, Bass, Marimba und Mbira kombiniert ergibt das eine manchmal sehr witzige Mischung. Im SABC-Studio in Greenpoint hat sich zur Premiere ein bunt gemischtes Publikum eingefunden, ein eher seltenes Zusammentreffen: In der Regel gibt es weiter eine „weiße“ und eine „schwarze“ Kultur. Macs Goema-Symphonie schlägt hier eine Brücke, und das Publikum hat sichtlich Spaß an der Musik. Auch den Musikern gefällt es; drei Tage lang haben sie intensiv geprobt, und die erste Geigerin atmet sichtbar auf, als der Schlussakkord erklingt. Der Rundfunk hat mit aufgezeichnet; Dokumentarfilmer haben den Abend gefilmt – und Mac McKenzie und Renate hoffen auf eine baldige zweite Aufführung. Genug kleine Festivals gäbe es.

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